Gespräch der Woche

"Senioren sind qualitätsbewusster"
Nürnberg - Weil jeder dritte Deutsche bereits über 50 Jahre alt ist, sind Reiseveranstalter gut beraten, sich dieser Zielgruppe gezielt anzunehmen - sagt Wolfgang Adlwarth, Manager Strategisches Marketing der Konsumforschungsgesellschaft GfK.
Welchen Trend sehen Sie im Reisemarkt der über 50-jährigen?
AdlwarthDie Älteren werden immer agiler und fitter und möchten dementsprechend in den Ferien ein großes Angebot an Aktivitäten vorfinden - insbesondere im Bereich Kultur und Bildung. Das Thema Wellness und Vitalität wird auch an Bedeutung gewinnen. Und das Qualitätsbewusstsein steigt kontinuierlich an.
Was höhere Ausgaben bedingt.
Rentner geben im Schnitt 351 Euro pro Reise aus. Das sind 70 Euro mehr als der Durchschnitt der Reisenden. Darum übersteigt ihr Anteil am Reiseumsatz auch ihren prozentualen Anteil an der Bevölkerung.
Woran liegt das?
Ältere sind bereit, für ordentliche Leistung ordentlich zu bezahlen. Das gilt übrigens auch für besondere Serviceleistungen aller Art. Wenn ein Reiseveranstalter ihnen lästige Dinge abnimmt, sind ältere Reisende dankbar und bereit dafür zu zahlen. Wobei auch hier das Preis-Leistungsverhältnis stimmen muss. Bei jüngeren Reisenden spielt der effektive Reisepreis eine weitaus wichtigere Rolle.
Ist der Markt der Älteren krisenfester als der übrige Reisemarkt?
Ja, und zwar aus zwei Gründen. Zum einen, weil jüngere von der Krise stärker betroffen sind, was die Sicherheit des Arbeitsplatzes angeht. Zum anderen, weil sie bei der Wahl des Reisetermins flexibler sind und dadurch günstigere Angebote wahrnehmen können.
Wie sieht es bei den Reisezielen und Reiseformen aus?
Bei der Generation 50 plus steht Deutschland höher im Kurs als im Schnitt.
Wie können die Leistungsträger auf die Bedürfnisse älterer Reisende eingehen?
Ein Fremdenverkehrsort, der zum Beispiel herausstellt, dass seine Wanderwege bequem und sicher sind und auch unter kundiger Führung begangen werden können, spricht ältere Gäste auf jeden Fall an. Dazu gehören auch Dinge wie gut lesbare Hinweisschilder oder Parkplätze, die so groß sind, dass man bequem aussteigen kann. Das sind übrigens auch für andere Gäste interessante Aspekte.
Und spezielle Seniorenangebote?
Die darf man zumindest nicht so nennen. Spezielle Bezeichnungen wie Seniorenteller im Restaurant schrecken ab. Man will ja nicht alt sein! Wichtig ist, das Produkt entsprechend zu gestalten, also mit Kulturangeboten, bequemen Wanderungen einem seniorengerechten Wellnessbereich, und dafür dann auch in den richtigen Medien werben.
Auf welche Kommunikationswege verlassen sich ältere Menschen denn bei Wahl und Buchung ihres Reiseziels?
Da sind die klassischen Wege die wichtigste: Reisebüro, Katalog, generell eher Gedrucktes. Allerdings sehen wir auch hier den Trend, sich im Internet zu informieren. Wobei sie sich stärker am Computer nur Auskünfte holen und dann doch im Reisebüro buchen - oder direkt im Hotel.
Es heißt immer, dass Menschen ab 50 nicht mehr zur werberelevanten Zielgruppe gehören, weil sie die Produkte nicht mehr wechseln. Gilt das auch für Reiseangebote?
Erst einmal stimmt diese Einstufung generell nicht. Natürlich sind Ältere insgesamt treuer. Wenn sie ein Angebot für gut befunden haben, lassen sie sich nicht so leicht durch Me-too-Produkte von ihrem bewährten Produkt weglocken. Das heißt aber nicht, dass Ältere nicht das Produkt wechseln. Wenn zum Beispiel die Leistung nicht stimmt, sind Ältere bereit, einen Anbieter zu wechseln. Da sind sie genauso kritische Verbraucher wie jüngere Menschen.
Aus welcher Datenbasis schöpfen Sie Ihre Erkenntnisse?
Aus unserer kontinuierlichen Befragung von 20 000 Haushalten zu ihrem Reiseverhalten - von Planung und Ziel bis zu den konkreten Ausgaben vor Ort.

