Thema der Woche

Tourismus-Ausschuss
erörtert
Sicherheit auf Seereisen
Berlin – Die Schiffskatastrophe vor der italienischen Küste beschäftigt auch Deutschlands Tourismuspolitiker: Der Tourismus-Ausschuss des Deutschen Bundestages will sich zusammen mit Seereisen-Experten nach Abschluss der Untersuchungen in Italien mit den Sicherheitsvorkehrungen auf Kreuzfahrtschiffen beschäftigen.
Das Gremium prüft, „ob die politisch gesetzten Rahmenbedingungen ausreichen, oder ob es Standards zu erhöhen gilt“, so Marlene Mortler (im Bild), die tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Dabei steht die Qualifizierung des Personals, die Einhaltung von Vorschriften, bessere technische Lösungen und die „schnelle und vollständige Evakuierung im Mittelpunkt.“
Klaus Brähmig (CDU), der Ausschuss-Vorsitzende, regt dabei eine noch frühere Notfall-Einweisung der Passagiere an. Das Unglück der „Costa Concordia“ habe gezeigt, dass die Sicherheitsübungen – sie müssen nach geltendem Seerecht innerhalb der ersten 24 Stunden nach Reisebeginn durchgeführt werden – nicht früh genug erfolgen können. Deshalb sei „zu überlegen, ob diese nicht noch vor dem Auslaufen stattfinden sollen.“ Aida und TUI Cruises haben bereits reagiert – und am Dienstag angekündigt, die Seenotrettungsübungen noch im Hafen durchzuführen.
Die bei der aktuellen Sicherheitsdebatte hoch schlagenden Wogen zu glätten versucht der Deutsche Reiseverband (DRV) – mit einem zusammen mit dem European Cruise Council (ECC), der Cruise Line International Association (CLIA), dem Germanischen Lloyd und dem Institut für Nautik und Maritime Technologie der Fachhochschule Flensburg erstellten Expertenpapier, das seit Freitag in Deutschlands Reisebüro als „Gesprächsleitfaden“ liegt.
Die Sicherheitsstatistik auf Kreuzfahrten sei „hervorragend“, schreibt darin die – in Berlin ansässige – Wirtschaftsorganisation. Seit 2005 habe es bei weltweit fast 100 Millionen Kreuzfahrtpassagieren nur 16 Todesfälle gegeben. Diese „extrem niedrige Anzahl von Unfällen“ entspreche „weniger als 0,16 Opfern pro einer Million beförderter Passagiere.“
Reedereien und Seereisen-Anbieter – sie nahmen allein in Deutschland 2010 von 1,2 Millionen Hochsee-Urlaubern 2,1 Milliarden Euro ein – würden aber „alle Lernerfahrungen“ aus der Katastrophe vor der italienischen Küste nutzen, „um die Sicherheit und die Risikominimierung an Bord der Kreuzfahrtschiffe weiter zu verbessern.“





