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Düsseldorf – Der Bundesrechnungshof (BRH) wirft der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) vor, sich nicht ausreichend um die Eigenfinanzierung zu kümmern. Verwaltungsratspräsident Klaus Laepple weist die Vorwürfe zurück.

Wie hoch ist eigentlich der jährliche Finanzbedarf der DZT?

Laepple: Die Verwaltungskosten sind erfreulich niedrig und liegen etwa bei zehn Prozent der finanziellen Aufwendungen. Damit beschäftigen wir unter anderem rund 160 Festangestellte, 80 davon im Ausland. Der Rest geht in das Marketing. Das Gesamtvolumen lag 2015 bei 38,7 Millionen Euro.

Laut BRH zahlt das zu 97,5 Prozent der Steuerzahler.

Das ist Unfug. Richtig ist, dass die Mitglieder etwa 800 000 Euro zur Grundfinanzierung beitragen. Allerdings kommen da nochmal rund acht Millionen hinzu, die sie zahlen, wenn sie mit der DZT gemeinsam auftreten. Unsere Mitglieder finanzieren die Arbeit der Marketingorganisation also nicht mit 2,5 Prozent, sondern etwa zu einem Viertel.

Wer sind die Mitglieder?

Alle diejenigen, die mit Mobilität und Incoming zu tun haben: Angefangen von den großen Veranstaltern bis hin zum kleinen Hotel. Von denen zahlt ein jeder einen Beitrag von aktuell 10 000 Euro pro Jahr. Einige geben darüber hinaus auch mehr. Und dann gibt es eben noch die Dienstleistungen der DZT, die von jenen bezahlt werden, die sie in Anspruch nehmen – übrigens nicht nur von Mitgliedern.

Dennoch: Sind die acht Millionen nicht zu wenig? Immerhin ist der Bundesbeitrag lediglich als Fehlbedarfsfinanzierung gedacht.

Wissen Sie, eine Fehlbedarfsfinanzierung kann auch bis 100 Prozent gehen. Das ist nichts Ungewöhnliches – gerade bei Stiftungen beispielsweise. Dass der Bund versucht, den Fehlbedarfsanteil zu senken, ist natürlich nachvollziehbar. Auch will ich die Arbeit des BRH nicht in Frage stellen. Es ist gut, dass er darauf achtet, dass Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Allerdings gibt es eine Diskrepanz zwischen dem Rechnungshof auf der einen und der Politik auf der anderen Seite. Ich darf daran erinnern, dass die DZT aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert wird. Letztlich ist das politisch so gewollt.

Der BRH beklagt, die Tourismuswirtschaft sehe das Auslandsmarketing als öffentliches Gut und wolle sich deshalb nicht angemessen daran beteiligen.

Das zentrale Problem ist ein anderes: Die Branche wird nach wie vor als leicht exotisch wahrgenommen. In der Öffentlichkeit, in der Politik – und auch bei Organisationen wie dem BRH. Dass sie hart arbeitet und – nebenbei gesagt – auch für viele Arbeitsplätze und Einkommen sorgt, wird da gerne vernachlässigt. Natürlich haben wir auch ordentlich dastehende Veranstalter, die machen aber vor allem Outgoing. Das Incoming wird im Grunde genommen von einigen wenigen getragen – vor allem von der Hotellerie. Abgesehen von den großen Ketten, kann die in den ausländischen Quellmärkten nicht groß Werbung machen. Da hilft dann die DZT.

Was tun Sie, dass der Beitrag Ihrer Mitglieder steigt?

Wir haben zum 1. Januar eine Beitragserhöhung von zehn Prozent beschlossen. Da war sicher auch überfällig. Jetzt werden manche sagen, dass das nicht viel ist, aber man muss auch sehen, dass wir sehr viele Mittelständler als Mitglieder haben – und die sollen durch unsere Marketingmaßnahmen ja gerade auch gefördert werden.

Ein weiterer Vorwurf ist, dass die DZT ihre Dienstleistungen nicht kostendeckend in Rechnung stellt – und so selbst für einen Fehlbedarf sorgt.

Das stimmt – zumindest für die mittelständischen Unternehmen. Aber nochmal: Das ist politisch gewollt. Schließlich wollen wir von der völlig schiefen Zahlungsbilanz im Tourismus wegkommen. Deutschland ist ja vor allem ein Outgoingland. Die Deutschen geben im Jahr etwa 66 Milliarden Euro für Auslandsreisen aus, umgekehrt lassen ausländische Touristen 33 Milliarden Euro im Land – übrigens auch dank der Arbeit der DZT.

Was wäre denn, wenn Sie auch bei Mittelständlern kostendeckend abrechnen?

Wenn wir beispielsweise einem mittelständischen Hotelier eine Vollkostenrechnung stellen würden, sagen wir für eine Messe im Ausland, dann wäre der schlicht nicht mehr dabei. Das hätte die Konsequenz, dass deutsche Unternehmen im Ausland nicht mehr vertreten wären – und damit auch das Reiseland Deutschland.

Wird es – wie vom BRH gefordert – demnächst ein neues Finanzierungskonzept geben?

Wie sollte das denn aussehen? Wie sich der BRH das vielleicht vorstellt, gibt es in keinem Land der Erde. Überall wird vom Staat eine Basisfinanzierung des touristischen Auslandsmarketing gewährleistet. Anders geht es auch nicht. Schauen Sie nach Frankreich, Italien oder England oder denken Sie an Schweiz Tourismus oder Österreich Werbung, die werden mit ganz anderen Beträgen gefördert als wir.


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