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Stuttgart – Alptraum Abstieg: Der Gang des VfB Stuttgart in die zweite Fußball-Bundesliga schmerzt nicht nur die Fußballfans der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Der sportliche Niedergang hat auch massive Auswirkungen auf den Tourismus, weiß Andrea Gehrlach, Vizechefin der Stuttgart-Marketing GmbH.

Welche Bedeutung hat eigentlich ein Fußball-Erstligist für den Tourismus einer Stadt?

Gehrlach: Den Werbewert in Zahlen auszudrücken ist sicherlich schwierig. Aber mit einem Fußballverein, der in der ersten Bundesliga spielt, ist auch die Stadt jede Woche prominent im Fernsehen – und zwar nicht nur im heimischen Wohnzimmer. Gerade in den aufstrebenden asiatischen Märkten ist der deutsche Fußball recht angesehen – mit entsprechender Werbewirkung für die genannten Spiele. Von daher tut es uns – auch aus touristischer Sicht – sehr weh, dass der VfB es dieses Jahr nicht gepackt hat.

Was nehmen Gastronomie und Hotellerie während eines Bundesliga-Heimspiels ein?

Es gibt eine Studie, die besagt, dass allein Stuttgart pro Saison durch die Bundesliga Zusatzeinnahmen in Höhe von 18 Millionen Euro erhalten hat: Da sind dann Übernachtungen, Anfahrt mit dem öffentlichen Personennahverkehr und Verpflegung mitgerechnet.

Mit welchen Verlusten rechnen Sie nun nach dem Abstieg?

Der VfB Stuttgart hatte als Erstligist immer auch ein großes Einzugsfeld gehabt – aus dem Umland bis hin zur Schweiz kamen Gäste zu den Spielen. Das wird in der zweiten Liga natürlich nicht mehr der Fall sein. Der Verein selbst rechnet ja nur noch mit durchschnittlich 30 000 Zuschauern pro Spiel, das wäre etwa die Hälfte der Besucherzahlen aus der Saison 2015/16. Schwerwiegender als die Einnahmeverluste am Spieltag ist für uns aber die fehlende Präsenz im Fernsehen weltweit.

Gibt es in Stuttgart andere Werbeträger von ähnlicher Strahlkraft?

In aller erster Linie sind das natürlich die beiden Automobilhersteller Mercedes und Porsche, aber auch sportlich haben wir ja noch andere Bundesligisten: Im Handball beispielsweise. Auch wenn dessen Werbewirksamkeit mit der des Fußballs natürlich nicht zu vergleichen ist. Stuttgart besitzt zudem auch noch eine erstligareife Kulturszene – mit Oper, Ballett und Musical.

Wie hat sich der Tourismus in der Landeshauptstadt im vergangenen Jahr entwickelt?

Wir hatten im vergangenen Jahr gegenüber 2014 ein Übernachtungsplus von drei Prozent – bei insgesamt 3,6 Millionen Übernachtungen. Auch 2016 rechnen wir wieder mit einem Wachstum in dieser Größenordnung. Das Gros der Gäste – oder 70 Prozent – kam dabei aus Deutschland, der Rest aus dem Ausland.

Welches sind die wichtigsten Quellmärkte?

Schwerpunktmärkte sind die Schweiz, die USA, aber auch China, das sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt hat. 2014 war auch noch der russische Markt wichtig für uns. Der ist mittlerweile aber derart zusammengebrochen, dass wir beschlossen haben, das Marketing hier ganz stark zurückzufahren, solange die wirtschaftliche Situation ist, wie sie ist: Es lohnt sich einfach nicht.

Wie sehen Ihre Marketingmaßnahmen für dieses Jahr aus?

Das Auslandsmarketing ist unser Schwerpunkt – allen voran in den gerade genannten Ländern, aber auch in anderen europäischen Märkten und in den Golfstaaten. Zum einen werden wir das Mercedes Benz-Museum – es feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum – in den Mittelpunkt unserer Kampagnen stellen. Stuttgart ist mit Porsche und Mercedes nun mal eine bedeutende, auch international bekannte Autostadt. Und dann gibt es ja auch noch das Cannstatter Volksfest – mit vier Millionen Besuchern jährlich. Außerdem wollen wir – im Verbund mit Magic Cities Germany – weitere Marketingmaßnahmen anstoßen. Das ist aber noch nicht spruchreif.

Dort stehen sie neben den großen Playern wie München und Hamburg. Keine Angst da unterzugehen?

Ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Der Verbund ist für uns sehr wichtig – gerade für unser Auslandsmarketing. Aber auch für den Erfahrungsaustausch unter Kollegen, die ja oft mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind. Und: Im Auslandsmarketing ist das nahe München ein starkes Zugpferd, von dem wir uns auch ein wenig tragen lassen können. Wir sehen uns in der Vermarktung ohnehin als Gesamtregion Stuttgart und die gehört mit mehr als acht Millionen Übernachtungen auch nicht zu den kleinen bei Magic Cities.

Wie groß ist eigentlich ihr Marketing-Budget?

Wir bekommen einen Zuschuss der Stadt in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro pro Jahr – und haben zudem noch Eigenmittel, die wir einsetzen.

Wie hoch sind die?

Das möchte ich nicht sagen.

Letzte Frage: Gelingt dem VfB der direkte Wiederaufstieg?


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