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Mainz – Mit einer neuen Tourismusstrategie will Rheinland-Pfalz Terrain gut machen. Stefan Zindler, Geschäftsführer der Landestourismusagentur, nennt die Eckpunkte.

Der Deutschland-Tourismus boomt seit Jahren. Wie sieht es im Bundesland Rheinland-Pfalz aus?

Zindler: Im Moment liegen uns für 2018 nur Zahlen bis einschließlich August vor. Demnach besuchten in den ersten acht Monaten des Jahres 5,13 Millionen Gäste aus dem Inland Rheinland-Pfalz; aus dem Ausland kamen 1,46 Millionen – das ist im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Wachstum von 2,5 Prozent. Und auch bei den Übernachtungen konnten wir ein Plus verzeichnen: Hier stiegen die Zahlen um rund 2,4 Prozent auf 17 Millionen Nächte.

Wie steht Ihr Land im nationalen Vergleich dar?

Hier müssen wir sagen, dass wir nicht die gleiche Dynamik erreichen wie im Bundesdurchschnitt, auch wenn die verschiedenen Bundesländer nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Was die absoluten Übernachtungszahlen angeht, liegen wir etwa auf Platz neun. Da haben wir in den vergangenen Jahren Marktanteile eingebüßt.

Woran liegt das?

Was die Übernachtungszahlen anbelangt, hat das natürlich auch mit den vorhandenen Kapazitäten zu tun. Die sind eben beschränkt. Gleichzeitig muss man sagen, dass der Boom im Deutschlandtourismus vor allem in den großen Städten stattfindet. Von denen hat Rheinland-Pfalz nicht viele zu bieten. Daher profitieren wir von dieser Wachstumsdynamik weniger als andere.

Das gilt beispielsweise auch für Länder wie Mecklenburg-Vorpommern, das deutlich besser dasteht.

Richtig, aber Sie müssen immer auch die regionalen Gegebenheiten berücksichtigen. Ich halte es für sehr schwierig, einzelne Bundesländer miteinander zu vergleichen. Mecklenburg-Vorpommern hat Strand und Meer und eine sehr ausgeprägte Saisonalität. Das sind dann auch die Wachstumstreiber in der Region. Im Binnenland findet auch dort Wachstum weniger dynamisch statt.

Wie wichtig ist die Branche für die Wirtschaft Ihres Landes? Und wie hoch der Umsatz, den der Tourismus in die Kassen spült?

Das Umsatzvolumen der Tourismuswirtschaft in Rheinland-Pfalz beträgt rund sieben Milliarden Euro, damit spielt unsere Branche eine gewichtige Rolle für die Wirtschaft des Landes. Das ist bei vielen Entscheidungsträgern auch in der Politik noch nicht so angekommen, deshalb haben wir – als ein Ziel der neuen Tourismusstrategie – eine Intensivierung des Tourismus-Bewusstseins formuliert.

Welche Ziele verfolgt die neue Tourismusstrategie noch?

Wir wollen zum einen die Wertschöpfung erhöhen und Rheinland-Pfalz als Reiseland stärker profilieren. Kooperationen – nicht nur innerhalb der Branche - wollen wir stärken und, wie schon erwähnt, das Tourismus-Bewusstsein erhöhen. Zu guter Letzt setzen wir auf Nachhaltigkeit und nicht auf Wachstum um jeden Preis. Ökologische und soziale Belange wollen wir mit einberechnen. Die neue Tourismusstrategie ist als lernender Prozess konzipiert, der nach einer zweijährigen Entwicklungsphase nun in die Umsetzung überführt wird. Dafür gibt es fünf strategische Handlungsfelder für die perspektivische Entwicklung bis 2025 und acht Strategieprojekte.

Was sind das für Handlungsfelder?

Wir wollen Rheinland-Pfalz zur Marke machen, die Familienunternehmen zum Rückgrat des Tourismus entwickeln, wirkungsstarke ökonomische Impulse schaffen, Strukturen und Prozesse konsequent bündeln und finanzielle Ressourcen auf Impulsinvestitionen fokussieren.

Können Sie das anhand eines konkreten Projekts einmal erläutern?

Um beispielsweise das Bundesland als Reisedestination stärker zu profilieren, braucht es, wie gesagt, Rheinland-Pfalz als Marke. Dafür gibt es ein Strategieprojekt unter Federführung des Wirtschaftsministeriums. Vorgesehen ist, einen Prozess anzustoßen für eine Wirtschaftsstandortmarke Rheinland-Pfalz.

Wie könnte die aussehen?

Das gilt es eben zu entwickeln.

Andere Bundesländer haben längst eine Marke entwickelt. Warum hinkt Rheinland-Pfalz hinterher?

Die bisherige Tourismusstrategie des Landes hat sich auf erfolgsversprechende Projekte konzentriert und die entsprechende Themenkompetenz zum Ziel gehabt. Das war auch erfolgreich, mittlerweile reicht das aber nicht mehr aus, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Wir brauchen eine überregionale und internationale Vermarktung und müssen mehr darüber sprechen, für was das Bundesland steht. Dazu brauchen wir eine Marke, die ein Gefühl von Rheinland-Pfalz vermitteln sollen. Dabei spielt Wein und Tourismus eine große Rolle.

Die engere Zusammenarbeit aller Akteure ist sicher auch ein Ziel. Das hat man in anderen Bundesländern längst realisiert.

Es ist ja nicht so, dass hier bisher nichts gelaufen wäre. Innerhalb der Branche ist es uns sehr gut gelungen, die Tourismusakteure zusammenzubringen. Wir dürfen aber nicht stehen bleiben. Jetzt ist es – um noch erfolgreicher zu werden – notwendig, aus der Nische Tourismus herauszutreten und die Kooperationen mit anderen relevanten Bereichen zu intensivieren: das sind bei uns vor allem die Bereiche Kultur, Weinwirtschaft und Architektur.

Was bedeutet die neue Strategie für Sie als Tourismusagentur?

Natürlich kommt auch Mehrarbeit auf uns zu, vor allem aber wird die neue Strategie einiges an unserer Arbeit verändern. Wir wollen Strukturen und Prozesse besser bündeln und mehr Synergien erzeugen. Ich denke, dass es in jeder Branche gut ist, sich von Zeit zu Zeit neu an den Zielen auszurichten, um dann mit den vorhandenen Ressourcen die gesteckten Ziele zu erreichen.

Und gibt es dann auch mehr Geld und Personal?

Das hoffen wir. Im Moment laufen im Landtag ja die Abstimmungen zum Doppelhaushalt 2019/20. Es ist aber noch nichts beschlossen. Ich gehe schon davon aus, dass wir – neben dem normalen Budget für unsere Arbeit – zusätzliche Mittel an die Hand bekommen. Konkrete Zahlen kann und will ich Ihnen nicht nennen.

Dann ein Wort zu ihrem Budget?

Wir werden für unsere eigene Aufgabe – also die Vermarktung von Rheinland-Pfalz – auch im kommenden Jahr rund drei Millionen Euro zur Verfügung haben. Was darauf für die Umsetzung der Tourismusstrategie noch aufbaut, werden wir sehen.


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