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Berlin – Zwei Eigentümerwechsel innerhalb eines Jahres, 60 Millionen Euro Schulden: Wimdu hat turbulente Zeiten hinter sich. Peter Vida, Head of Legal der Zimmervermittlungsplattform, ist dennoch zuversichtlich, in zwölf Monaten schwarze Zahlen zu schreiben.

Wimdu hat in den vergangenen fünf Jahren fast 60 Millionen Euro Verlust geschrieben. Woran lag es?

Vida: Das ist schon eine sehr verkürzte Darstellung. Es ist doch völlig normal, dass ein Start-up eine Anschubfinanzierung braucht und man dafür erst einmal Geld aufwendet. Sicher gibt es auch bei uns Dinge, die in den vergangenen Jahren schlecht gelaufen sind, andere liefen gut. Aber insgesamt sind die Investitionskosten – ich will da gar nicht von Verlusten reden – im Rahmen des zu Erwartenden geblieben. Und: Wir werden planmäßig innerhalb eines Jahres, also spätestens im Juli 2018, in die Profitabilität kommen, da bin fest von überzeugt.

Aber hat Ihnen das Zweckentfremdungsverbot in Berlin nicht geschadet?

Das hat schon rein gehauen. Deutschland ist für uns der wichtigste Markt und innerhalb dieses Marktes nimmt Berlin eine herausragende Stellung ein. Auf dem Weg zum Verbot sind uns zwischen 20 und 25 Prozent der Gastgeber in der Hauptstadt abgesprungen. Im Gegensatz zu Airbnb haben wir unsere Vermieter aber nicht allein gelassen, sondern etwas gegen das Verbot getan.

Sie meinen Ihre Musterklage vor Gericht. Wie ist da der Stand?

Richtig. Aus unserer Sicht verletzt das Gesetz verfassungsrechtlich garantierte Grundsätze, wie Eigentumsfreiheit und freie Berufswahl. Deshalb haben wir zunächst beim Verwaltungsgericht Berlin Klage eingereicht und dann beim Oberverwaltungsgericht einen ersten Erfolg errungen, in dem die Richter das Gesetz für teilweise verfassungswidrig erklärten. In die weiteren Verhandlungen gehen wir durchaus selbstbewusst hinein.

Die EU will Vermittlungsplattformen wie Airbnb oder Wimdu Mindestpflichten in Sachen Sicherheit, Steuern, Verbraucherschutz und Arbeitnehmerrechte auferlegen. Was halten Sie davon?

Schaut man Richtung Brüssel, muss man der Vollständigkeit halber auch sagen, dass die EU-Kommission gerade dabei ist, Beschränkungen für unser Geschäft, die es in verschiedenen Ländern ja gibt, zu liberalisieren. Eine durchaus positive Entwicklung. Was die neuerlichen Forderungen aus dem EU-Parlament angeht, so sehen wir das eher als eine Art Angleichung der Wettbewerbsbedingungen.

Inwiefern?

Wir sind ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Berlin. Ich kenne kaum ein Land in Europa oder weltweit, dass so strenge Steuer-, Verbraucherschutz- oder Arbeitnehmerregelungen hat. Und natürlich halten wir uns vorbildlich daran. Die vom EU-Parlament eingebrachten Forderungen haben für uns keine Auswirkungen, weil wir sie ohnehin schon befolgen. Wenn das in Zukunft auch für Mitbewerber mit Firmensitz außerhalb Deutschland gelten soll, dann begrüßen wir das.

Wie war nun das Geschäftsjahr 2016?

Konkrete Zahlen will ich Ihnen nicht nennen, aber für uns war 2016 im Rahmen der Planungen ein erfolgreiches Jahr, mit leichten Verlusten, die aber schon deutlich Richtung Null gingen. 2016 hatten wir deutlich mehr als eine Million gebuchte Übernachtungen – und werden dieses Volumen 2017 noch einmal überbieten.

Und wie wollen Sie bis Mitte 2018 den Gewinnsprung schaffen?

Wir werden stärker in den skandinavischen Raum expandieren und uns von den Städten hin zu den Ferienregionen entwickeln. Neben dem geographischen Aspekt wollen wir uns auch strategisch neu justieren. Was genau geplant ist, darf ich Ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.

Airbnb entwickelt sich vom Wohnungsvermittler zum Reiseanbieter. Das ist für Sie kein Weg?

Nein, die Wohnungsvermittlung bleibt unser Kerngeschäft. Da werden wir uns in punkto Service für unsere Gastgeber noch besser aufstellen.

Seit Anfang des Jahres ist die Windham-Gruppe neuer Eigentümer. Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wir haben mit Windham einen Tanker der Ferienbranche als Eigentümer gewonnen, der uns neue Märkte erschließt, wo wir als europäisches Unternehmen nicht so leicht Zugang hätten. Die bringen neue Ideen ein und natürlich gewinnen wir auch an Investitionssicherheit. Als Teil eines größeren Netzwerkes profitieren wir zudem auch stark von Synergieeffekten und können effizienter in den Kostenstrukturen werden.

Das klingt nach Arbeitsplatzabbau?

Überhaupt nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Wir werden in den kommenden Monaten mehr Mitarbeiter – vor allem im IT-, Produkt- und Marketingbereich – einstellen. Kosteneffizienz heißt bei uns, dass wir von den Verbundeffekten profitieren, nicht dass wir Leute entlassen. Das hat es auch in der Vergangenheit nicht gegeben. Bei 140 Mitarbeitern an den Standorten Berlin und Lissabon haben wir im vergangenen Jahr ganze drei entlassen. Von Massenentlassungen also keine Spur.


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