Travel Tribune - Der Nachrichtendienst für die Tourismuswirtschaft

Top-News des Tages

Newsletter abonnieren

Emailadresse ein/austragen



Besuchen Sie auch

Köln – Leere Betten in den Krisenländern Türkei, Ägypten und Tunesien: Portugal-Spezialist Olimar profitiert davon wie kaum ein anderes Reiseunternehmen. Und auch dem Brexit gewinnt Verkaufschef Pascal Zahn Positives ab.

Portugal ist Fußball-Europameister. Ist das gut für Ihr Geschäft?

Zahn: Das ist erst einmal gut für das Land, das ja eine schwere Zeit durchlebt. Und natürlich profitiert auch der Tourismus ein wenig, wenn in ganz Europa über Portugal positiv berichtet wird. Dass der Gewinn der Fußballeuropameisterschaft sich nun in Buchungszahlen in unseren Häusern an der Algarve oder auf Madeira niederschlägt, ist eher nicht zu erwarten.

Immerhin bewerben Sie das Pestana CR7 auf Madeira aktiv. Wie wichtig ist es für Sie, solche Häuser im Portfolio zu haben?

Wir sind ja Länderspezialist und versuchen stets besondere Hotels im Angebot zu haben. Das Hotel von Christiano Ronaldo passt von der Qualität gut in unser Portfolio und ist darüber hinaus sicherlich ein starkes Marketingpferd – sowohl für Pestana, als auch für uns. Das nutzen wir dann auch gerne.

Apropos Marketing: Was geben Sie hierfür im Jahr aus?

Das kommunizieren wir nicht nach außen. Vielleicht so viel dazu: Unser Marketingbudget wird sicherlich ansteigen. Das hat natürlich damit zu tun, dass unsere Destinationen – Azoren, Algarve, Andalusien, Kapverden, Kanaren, Madeira und Mallorca – gegenwärtig so stark gefragt sind wie seit zehn Jahren nicht mehr. Jetzt versuchen wir aus den Neukunden Stammkunden zu machen – mit entsprechenden Werbemaßnahmen in Printmedien, online oder auf Plakaten.

Wie sieht es mit Ihren Umsätzen und Gewinnen aus?

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen auch da keine konkreten Zahlen nennen. Sie können aber davon ausgehen, dass dieses Jahr klar besser läuft als das letzte und wir – sowohl bei den Umsätzen als auch bei den Gewinnen – zulegen werden. Und auch für 2017 rechnen wir mit einem Plus.

Als Mittelständler auf der Gewinnspur bekommen Sie sicherlich Kauf-Angebote von großen Veranstaltern? Oder täuschen wir uns da?

Diese Frage möchte ich nicht beantworten.

Was wäre Ihr Unternehmen denn wert?

Auch dazu kein Kommentar, ein Verkauf steht überhaupt nicht zur Diskussion.

Wie behaupten Sie sich eigentlich gegen die großen Reiseveranstalter?

Mit Spezialisierung. In der Algarve zum Beispiel haben wir rund 200 Hotels im Portfolio – darunter sind auch solche, die aufgrund ihrer geringen Bettenzahl für die Großen der Branche uninteressant sind. Letztendlich vertrauen wir da auf unserer Expertise – und auf die Unterstützung der Reisebüros, die unser Angebote an den Kunden bringen.

Wie wichtig sind die fürs Geschäft?

Sehr wichtig. Der stationäre Vertrieb sorgt nach wie vor für den allermeisten Umsatz bei Olimar. Das liegt natürlich auch an den Individual- und Bausteinreisen, die wir anbieten – und die einfach beratungsintensiver sind als ein Pauschalurlaub auf Mallorca. Das wollen wir auch so beibehalten. Deswegen bieten wir unseren Reisebüropartnern auch in der kommenden Saison eine stabile Provision zwischen acht und 12,5 Prozent an.

Profitieren Sie vom Dilemma der Krisenländer?

Ja, leider. Die Situation ist für alle nicht schön, auch wenn Olimar Nutznießer ist. Für Portugal haben wir dieses Jahr ein Buchungsplus von 35 Prozent erreicht – das ist übrigens deutlich besser als der Markt. Die Algarve ist in diesem Sommer ausgebucht. Wie viele unserer Kunden vom östlichen ins westliche Mittelmeer und den Atlantik umgesteuert haben, wissen wir natürlich nicht genau. Letztendlich ist das auch egal, was zählt sind die Buchungseingänge – und die sind gut wie nie.

Die Algarve gilt als Mallorca der Briten. Was bedeutet der Brexit für die Region?

Richtig. Von zehn Fliegern, die in der Region landen, kommen heute neun aus Großbritannien. Die Algarve ist – ganz anders als für den deutschen Quellmarkt – für Großbritannien ein Massenziel. Wir gehen davon aus, dass mit dem Austritt Englands aus der Europäischen Gemeinschaft mittelfristig weniger Briten ins Ausland und speziell in die Algarve reisen werden. Für uns heißt das ein größeres Bettenangebot und günstigere Preise. Trotz alle Unsicherheit, die der Brexit für die Branche birgt: An der Algarve könnte der deutsche Tourismus – und damit auch Olimar – davon profitieren.

Der Winterkatalog ist draußen. Was ist neu?

Wir haben vor allem mehr Betten und mehr Hotels in den Zielgebieten aufgenommen und auch das Flugangebot – zum Beispiel von Frankfurt nach Funchal – erweitert. Neue Destination planen wir auch in naher Zukunft nicht. Wir beschränken uns da auf die Ziele, für die wir als Spezialist seit fast 45 Jahren bekannt sind.

Und wie verläuft die Preisekurve?

Es gibt teilweise moderate Erhöhungen, die einfach der enormen Nachfrage geschuldet sind. Vom Preisniveau liegen wir in Madeira, Andalusien und auf Mallorca bei einem Plus von drei bis fünf Prozent, auf den Kanaren mussten wir die Preiserhöhung einiger einzelner Resorthotels von bis zu zehn Prozent an unsere Kunden weitergeben. Kapverden, die Algarve, aber auch alle Pauschalreisen und die Nur-Flug-Angebote liegen auf Vorjahresniveau.


Anzeige


Anzeige