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Köln – Fernbus-Linien haben das Image der Branche verbessert, findet Dieter Gauf. Der Hauptgeschäftsführer des Bustouristik-Verbandes RDA beklagt dennoch die scharfe Konkurrenz durch Flixbus und Co.

Seit vier Jahren ist der Fernbusmarkt in Deutschland nun liberalisiert. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Gauf: Der Fernbus hat unserer Branche einen erheblichen Imagezuwachs gebracht und den Bus als ein bequemes, modernes Verkehrsmittel bekannter gemacht – speziell bei der Zielgruppe der 20- bis 55-Jährigen, bei der wir bisher eher unterrepräsentiert war. Das verstaubte Image, das der Bus bis dahin zu Unrecht hatte, wurde dank der Liberalisierung zu Recht gerückt. Aber es gibt natürlich auch eine Kehrseite der

Und die wäre?

Vor der Liberalisierung des Marktes war die Busreise vor allem ein Pauschalreiseangebot – jetzt stellt der Verbraucher sich seine Reise selber zusammen und schaut dabei vor allem auf den Preis. Da vergleicht er aber Äpfel mit Birnen, denn ein Pauschalreiseangebot bei einem unserer Unternehmen bietet natürlich sehr viel mehr: Von der umfassenden Beratung über den Ansprechpartner für alle Leistungen, der im Zweifelsfalle auch in Regress genommen werden kann, bis hin zu dem Sicherungsschein für die Reise. Zudem drängen die Fernbuslinien zunehmend in das Geschäft mit den Mietbusreisen.

Und das stört Sie?

Es bedeutet für die privaten Busunternehmer eine weitere Konkurrenz in einem ohnehin schwierigen Markt. Wir wollen Flixbus nun Paroli bieten und richten dafür die Webseite www.bus.de ein, auf der unsere Mitglieder Angebote für Gruppenreisen einstellen und Interessierte kostenlos und unverbindlich eine Anfrage abschicken können. Dabei werden keine Vermittlungsentgelte fällig und die Bezahlung erfolgt direkt über das Busunternehmen.

Wann gehen Sie online?

Momentan ist die Seite im Probebetrieb, wann wir sie freischalten, kann ich ihnen nicht sagen.

Verkehrsexperten bringen die Bus-Maut wieder ins Spiel. Warum wehrt sich Ihr Verband so vehement dagegen?

Die Bus-Maut ist auch eine Folge des Erfolgs des Fernbusverkehrs, der fiskalische Begehrlichkeiten geweckt hat. Dabei vergessen die Befürworter aber, dass nur ein sehr kleiner Teil der rund 4000 Busunternehmer in Deutschland vom Fernlinienverkehr profitiert. Im Gegenteil: Er bedeutet für viele eine zusätzliche Konkurrenz. Wir sind deshalb so vehement gegen eine solche Abgabe, weil sie eine zusätzliche, ungerechtfertigte Belastung unserer Branche darstellt.

Wie meinen Sie das?

Anders als der LKW bekommt der Bus keinerlei Vergünstigungen oder Subventionen, die eine mögliche Maut abfedern würden. Zudem ist der Bus ein sehr umweltfreundliches Verkehrsmittel, das seine Infrastrukturkosten durch Abgaben und Steuern zu einem Vielfachen bereits abgegolten hat. Es besteht also überhaupt kein Grund für eine zusätzliche Kostenbelastung.

Gegenwärtig macht die Branche Schlagzeilen durch Sicherheitsmängel und nicht eingehaltene Ruhepausen. Was ist dran an den Vorwürfen?

Ach ja, der Herr Wallraff. In Deutschland haben die Busunternehmer eine hervorragende Sicherheitsbilanz, von schweren Busunglücken sind wir weitgehend verschont. Dabei spielt aber nicht etwa Glück eine Rolle, sondern die Tatsache, dass unsere Unternehmer die Sache sehr ernst nehmen. Wir gehen davon aus, dass die Busfahrer sich streng an die Lenk- und Ruhezeiten halten. Im Einzelfall mag das einmal anders sein, aber deshalb eine ganze Branche in Generalsverdacht zu nehmen, das weise ich zurück. Das ist absurd.

Wie sehr belasten Sie die wieder eingeführten Grenzkontrollen?

Leider leben wir in Zeiten, wo eine solche Einschränkung der Bewegungsfreiheit notwendig geworden ist. Das belastet den Markt, ist aber weniger ärgerlich und kostenintensiv für die Branche als die vielen Umweltbestimmungen, wie beispielsweise die Umweltzonenregelungen. Das ist ein weitaus größeres Problem.


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